Newsletter

PyeongChang 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist zwar mitten im Sommer, dennoch wollen wir an dieser Stelle nochmals an die Olympischen Winterspiele in PyeongChang im Februar dieses Jahres erinnern. Mit 31 Medaillen – davon 14 goldenen – war die deutsche Mannschaft hinter Norwegen am erfolgreichsten. Die medizinische Abteilung um den Leitenden Olympia-Arzt Prof. Dr. Bernd Wolfarth sorgte wie schon bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro für die Gesundheit des „Team D“ mit 154 Athleten und 150 Betreuern.

Wie sich das Team der Mediziner auf die Aufgabe vorbereitet hat, wie das Zusammenspiel zwischen Verbandsärzten und DOSB-Sportphysiotherapeuten funktionierte und warum bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Sportlerinnen und Sportler gesund an den Start gehen konnten, beschreiben Wolfarth und der Sportarzt des Jahres 2018, Dr. Christian Schneider, im aktuellen GOTS-Newsletter.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Andreas Bellinger, GOTS-Pressesprecher presse@gots.org


Der 34. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) findet vom 27. bis 29. Juni 2019 in Österreich statt. Zum Thema „Sport-Medizin: von 0 – 100“ laden Kongresspräsident Dr. Rolf Michael Krifter und Kongresssekretär Dr. Christian Lang nach Salzburg ein. Im Vordergrund der dreitägigen Veranstaltung sollen erstmals kindliche und jugendliche Sportverletzungen sowie Überlastungsschäden und Sport mit angeborenen Störungen stehen. Geplant sind außerdem Themen zu älteren sportlich aktiven Patienten mit spezifischen altersbedingten Verletzungsmustern und Überlastungsschäden. Ein weiterer wissenschaftlicher Schwerpunkt ist der zunehmenden Herausforderung „Sport mit Arthrose und Prothese“ gewidmet. Ihre Abstract-Anmeldung ist bis zum 1. Dezember 2018 möglich. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Flyer im Anhang dieses GOTS-Newsletters.


Wir möchten Sie zudem auf folgende Veranstaltungen hinweisen:
17. Juli 2018 – 20.15 Uhr: Online-TV-Event „Infektionen in der Endoprothetik“ zum Aktionspreis. Mitglieder der GOTS bekommen wieder vergünstigte Konditionen. Gutscheincode: SmartEdu@GOTS (http://news4friends.winglet.live/m/10937799/1088748-0c2c635c23c2898bbd507dc4c5cad60b)
29. August bis 02. September 2018 in Neustift im Stubaital: Sport und Medizin Alpin 2018 (https://sport-und-medizin.de/)
28. bis 29. September 2018 in Warburg: Sport und Bewegung für jedermann – Belastung, Verletzung, Rehabilitation (https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/warburg/unser-angebot/fortbildungen/)
29. September 2018 in Nürtingen: 7. Interdisziplinäres Gelenksymposium (https://www.sporlastic.de/aktuelles/nig/)

PyeongChang 2018: Verbandsärzte im Einsatz für „Team D“

Als die Olympischen Winterspiele in PyeongChang am 09. Februar 2018 feierlich eröffnet wurden, waren in Südkorea nicht nur 154 Athleten und 150 Betreuer des „Team D“ am Start, sondern auch 18 Ärzte, die für die Gesundheit der deutschen Mannschaft verantwortlich waren. Leitender Olympia-Arzt war wie schon bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro Prof. Dr. Bernd Wolfarth aus Berlin. Die physiotherapeutische Koordination und Leitung lag in den Händen von Stefan Schwarz aus Donaustauf. Ein eingespieltes Team, das auf ein über viele Jahre bewährtes System, auf Listen, Abläufe und Netzwerke zurückgreifen konnte. Überdies war die Versorgung der Athleten mit Medikamenten sowie Verbrauchs- und Verbandsmaterial an den beiden Standorten gut und ausreichend organisiert.


Die deutsche Mannschaft mit Fahnenträger Eric Frenzel bei der Eröffnungsfeier der XXIII. Olympischen Winterspiele in PyeongChang.

Direkt am Japanischen Meer befand sich das „Costal Village“. Im einstigen Fischerdorf Gangneung waren sowohl Wohn- als auch Wettkampfstätten der Eissportarten untergebracht. Die Sportstätten waren schnell von den Unterkünften aus erreichbar und bestens miteinander verbunden. Auf einer Höhe von ca. 700 Metern über dem Meeresspiegel lag der eigentliche olympische Wintersportort PyeongChang. Hier waren das Olympische Dorf sowie die Sprungschanzen, das Langlauf- und Biathlonzentrum und die Bob-, Rodel- und Skeletonbahn in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Ortskern mit dem Olympiastadion und der sogenannten Medals Plaza waren nur wenige Minuten entfernt.

Neben der medizinischen Zentrale standen eine Poliklinik mit Überwachungseinheit sowie Röntgen, Ultraschall, Labor und Apotheke zur Verfügung. Ein Versorgungsraum der Firma Bauerfeind war zudem an jedem Wettkampfort vorhanden.

Die alpinen Ski- und Snowboardwettbewerbe fanden in den bereits vorhandenen Anlagen im Bokwang Snow Park (Snowboard, Ski Freestyle), Jeongseon Alpine Centre (Super G, Abfahrt, Alpine Kombination) und Yongpyong Alpine Centre (Slalom, Riesenslalom) statt. Um die Wettkampfstätten zu erreichen, mussten vom Olympischen Dorf aus Fahrzeiten von bis zu einer Stunde in Kauf genommen werden. Das Alpin-Team des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) war deshalb in einem nahegelegenen Hotel untergebracht – inklusive der medizinischen Betreuung.

Den Kern des medizinischen Teams bildeten die Mannschafts- und Verbandsärzte der verschiedenen Disziplinen mit ihrer zumeist langjährigen Erfahrung. Im Einsatz waren elf Orthopäden/Unfallchirurgen, drei Internisten und vier Allgemeinmediziner sowie ein Sportpsychologe. Die 27 Physiotherapeutinnen und -therapeuten hatten die spezielle Ausbildung zum Sport-Physiotherapeuten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) absolviert. Von großem Nutzen war die gemeinsame Vorbereitungsveranstaltung im Vorfeld der Olympischen Winterspiele mit dem Ziel, die organisatorischen und inhaltlichen Aspekte sowie die aktuellen Anti-Doping-Vorgaben jederzeit präsent zu haben.

Die ärztliche Behandlungsstatistik weist insgesamt 336 Konsultationen auf. Dabei wurden 52% Sportler und 48% Betreuer behandelt. Den größten Anteil machten wie schon bei den zurückliegenden Großveranstaltungen die Infekte mit 51% aus, gefolgt von orthopädischen Beschwerden mit 32%.

Kälte im Fokus der Medien
In der ersten Wettkampf-Woche stand vor allem medial das Thema der sehr niedrigen Temperaturen im Fokus. Mitunter wurden Werte von minus 20 Grad Celsius registriert, was Wintersportler in einer langen Saison durchaus gewohnt sind. Akute Erfrierungen wurden in der deutschen Mannschaft nicht beobachtet.


Schnee und Kälte machten den Athleten weniger zu schaffen, als es manche Berichte vermuten ließen. Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Eric Frenzel und Johannes Rydzek (von links) wurden Olympiasieger in der Nordischen Kombination.

Gerade in den Ausdauerdisziplinen machte allerdings die trockene und kalte Luft Beschwerden, sodass mit Luftbefeuchtung in den Zimmern gearbeitet wurde. Inhalationen, Spülungen und eine abgestimmte Medikation ermöglichten aber fast allen angereisten Sportlern eine Teilnahme am olympischen Wettkampf. Die tägliche und sinnvolle Infektionsprophylaxe stand immer im Mittelpunkt.

Insgesamt ereigneten sich in der deutschen Mannschaft drei schwere Verletzungen. Eine Athletin erlitt bei einem Snowboardsturz eine Knieverletzung. Sie wurde nach Diagnostik mit einem eingeklemmten Meniskus-Korbhenkelriss nach Deutschland geflogen und zügig operiert. Ein Sturz beim Ski-Cross mit Landung auf dem Rücken setzte die komplette Rettungskette in Gang: Nach zwei Tagen ausführlicher Diagnostik in einem südkoreanischen Krankenhaus konnte die konservative Behandlung zweier stabiler Brustwirbelkörper-Frakturen bekannt gegeben werden. Aufgrund der Symptome einer erlittenen Concussion (Gehirnerschütterung) musste ein Eishockeyspieler aus dem Kader genommen werden. Ein gutes Bespiel dafür, dass schnelles Handeln und ein gutes Management in diesem Bereich extrem wichtig sind.

Eine tägliche Behandlung machten zudem Muskel- und Bänderverletzungen notwendig, die verschiedene Sportler erlitten hatten. Rückenbeschwerden traten dagegen nicht übermäßig auf. In diesem Zusammenhang seien die nach PyeongChang mitgenommenen Matratzenauflagen sowie die täglichen physiotherapeutischen Behandlungen besonders positiv erwähnt.

Tägliche Routine
Die Routine bestand in der alltäglichen Betreuung unserer Athleten im Kraft- oder Trainingsraum, an den Trainingsstätten bis hin zu den Wettkämpfen. Die Tage waren unter den besonderen Bedingungen der Olympischen Winterspiele und den teils sehr späten Wettkampfzeiten angepasst an den europäischen und amerikanischen TV-Markt recht lang. Das Zusammenspiel unter den Kollegen sowie zwischen Ärzten und Physiotherapeuten klappte hervorragend, sodass gerade einzelne Spezialkompetenzen in unserem Team gezielt genutzt werden konnten.

Ein Treffpunkt für Athleten, Betreuer und Sponsoren war wieder das Deutsche Haus, diesmal nur wenige Minuten vom Olympischen Dorf entfernt, so dass die angebotene Bewirtung und der speziell eingerichtete Kraftraum sehr gern und häufig genutzt wurden. Trotz der vielen nächtlichen Veranstaltungen und der erhöhten Exposition gegenüber Keimträgern war die Ansteckungshäufigkeit nicht signifikant erhöht.

Nachdem erste Fälle von Erkrankungen mit dem Norovirus bei Sicherheitskräften und freiwilligen Helfern bekannt geworden waren, wurde ein besonderes Augenmerk auf die Hygienemaßnahmen im Olympischen Dorf gelegt. Die erkrankten Südkoreaner wurden im Umfeld der Olympischen Winterspiele nicht mehr eingesetzt. Deutsche Sportler und Betreuer waren nicht betroffen.

Die sogenannte „Needle Policy“ wurde insbesondere von den beteiligten Kollegen sicher umgesetzt. Allerdings stellte der administrative Aufwand im Hinblick auf die Dokumentationen im Zusammenhang mit dem Verabreichen von Injektionen insbesondere in zeitlicher Hinsicht eine besondere Herausforderung dar.

Durch die „Needle Policy“ wird unter anderem geregelt, welche Personengruppen Spritzen verwenden dürfen und in welchen Fällen ihnen dies überhaupt möglich ist. Bei Missachtung dieser Regeln – inklusive des Versäumnisses, ein vollständig ausgefülltes Formular an die Medizinische Kommission des IOC weiterzuleiten – drohen disziplinarische Maßnahmen und weitere Sanktionen. IOC Needle Policy & Rules: https://www.olympic.org/~/media/Document%20Library/OlympicOrg/IOC/What-We-Do/Protecting-Clean-Athletes/Fight-against-doping/EN-IOC-Needle-Policy-PyeongChang-2018.PDF?la=en

Zusammenfassung
Insgesamt waren die Vorbereitungen von ärztlicher und physiotherapeutischer Seite umfänglich. Sie konnten vor Ort bestens zur optimalen medizinischen Versorgung der deutschen Athletinnen und Athleten genutzt werden. Das medizinische Team mit den Verbandsärzten und DOSB-Sport-Physiotherapeuten hat seinen Teil dazu beigetragen, dass das „Team D“ sein Leistungspotenzial erfolgreich abrufen konnte und bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Sportlerinnen und Sportler gesund an den Start gehen konnten.

Über die Autoren:

Prof. Dr. med. Bernd Wolfarth ist Ordinarius für Sportmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet die Abteilung Sportmedizin der Charité Universitätsmedizin Berlin sowie den Fachbereich Sportmedizin am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig. Wolfarth ist Leitender Disziplinarzt der deutschen Biathlon-Nationalmannschaft, Leitender Verbandsarzt des Deutschen Skiverbandes und war nach den Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 auch bei den Winterspielen in PyeongChang 2018 Leitender Olympia-Arzt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Dr. med. Christian Schneider ist Vorsitzender der Verbandsärzte Deutschlands und wurde in diesem Mai zum Sportarzt des Jahres 2018 gekürt. Der langjährige Mannschaftsarzt des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) ist Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin, Physikalische Therapie, Chirotherapie und Naturheilverfahren und praktiziert im Münchner Orthopädiezentrum Theresie. Die Diagnostik und Behandlung von Beschwerden rund um die Wirbelsäule und Muskulatur nennt er als sein Spezialgebiet. Vor PyeongChang 2018 war Schneider unter anderem auch bei den Olympischen Winterspielen in Turin 2006, Vancouver 2010 und Sotschi 2014 als Leitender Verbandsarzt im Einsatz.

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