Verletzungen beim Eishockey

GOTS - Pressenewsletter 02/2009:
Verletzungen beim Eishockey / GOTS-Kongress 2009 / GOTS-Pressekonferenz

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute beginnt in der Schweiz die Eishockey-Weltmeisterschaft 2009. Neben den amtierenden Weltmeistern aus Russland und Rekord-Weltmeister Kanada ist auch Deutschland eines von 16 Teams, die in Bern und Zürich um Tore und Siege kämpfen. Eishockey gilt zwar als schnellste und härteste Mannschaftssportart der Welt, nimmt in den Verletzungsstatistiken allerdings keine führende Position ein. Mehr lesen Sie in dem folgenden Beitrag von GOTS-Mitglied Dr. med. Dietolf Hämel. Der Artikel ist für Ihre Veröffentlichungen freigegeben.

Mit freundlichem Gruß
Frank Wechsel, GOTS-Pressesprecher

Verletzungen beim Eishockey

Die hohe Spielgeschwindigkeit beim Eishockey mit einer erreichten Eigengeschwindigkeit des Spielers von bis zu 50 Kilometern pro Stunde erfordert von den Athleten ein ausgeprägtes Maß an Aktions-, Reaktions- und Kraftschnelligkeit mit der Fähigkeit, schnell zwischen Stop- und Go-Bewegungen zu wechseln, abrupt abzubremsen, wieder zu beschleunigten und flinke, rasche Richtungswechsel und Bogenläufe auszuführen. Voraussetzung ist deshalb ein optimal trainierter Spieler mit hohen koordinativen Fähigkeiten, der über ein hervorragendes schlittschuhläuferisches Können, eine ausgefeilte Technik im Umgang mit den Spielgeräten Schläger und Puck verfügt sowie Konzentrationsvermögen und Verständnis für Spieltaktik aber auch Fairness besitzt. Nur dadurch kann das Verletzungsrisiko minimiert werden.

Konditionsmangel birgt Verletzungsgefahr
Das hohe motorische Beanspruchungsprofil erfordert von den Eishockeyspielern eine sportartspezifisch ausgerichtete Schnelligkeits- und Kraftausdauer, um diese intensiven zyklischen und azyklischen Bewegungsabläufe durchzuführen und dabei noch entsprechendes Ideenreichtum wie beispielsweise Spielwitz aufbringen und sich auf unterschiedliche Situationen einstellen zu können. Mit nachlassender Kondition und damit Konzentration nimmt auch die Verletzungshäufigkeit proportional zu.

Stock und Hartgummischeibe können Schlag- oder Stichverletzungen beziehungsweise Prellungen und Platzwunden bis hin zu knöchernen Verletzungen durch den mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde aufprallenden Puck hervorrufen. Auch kann es - insbesondere bei entsprechenden Gegnereinwirkungen - durch die die Eisfläche umgebende Bande zu Anprallverletzungen kommen. Wie in den meisten anderen Sportarten lässt sich auch beim Eishockey eine zunehmende Athletik, Schnelligkeit und Aggressivität feststellen, was wiederum zu einem erhöhten Verletzungsrisiko führen kann.

Grundvoraussetzung, um Verletzungen zu vermeiden, ist neben Trainingszustand, Spielverständnis, Disziplin sowie einer modernen Ausrüstung des Akteurs die professionelle Ausbildung der Schiedsrichter.

Eishockeyspezifische Verletzungen
Etwa 75 Prozent der Verletzungen beim Eishockey entstehen aufgrund eines akuten Traumas, 25 Prozent sind Überlastungsschäden. Etwa 70 Prozent der Verletzungen ereignen sich im Wettkampf, circa 30 Prozent beim Training. Mit 59 Prozent sind am häufigsten die Stürmer von Verletzungen betroffen, gefolgt von den Verteidigern mit 34 Prozent und den Torhütern mit 7 Prozent. Die Verletzungen verteilen sich am Körper des Eishockeyspielers wie folgt:

Kopf: Die häufigsten Verletzungen kommen am Gesicht, Hals und Schädel des Spielers vor. In der Regel handelt es sich um Platz-, Schnitt- und/oder Risswunden ohne knöcherne Beteiligung, die direkt im Eisstadion versorgt werden und ein Weiterspielen erlauben. Sie gelten als Bagatellverletzungen und gehen deshalb auch meist nicht in die Statistiken ein. Schwere Verletzungen des Schädels wie Jochbein-, Mittelgesichtsbruch oder Augenverletzungen (Orbitabodenverletzungen, "Blow-out-Frakturen") mit Störungen des Sehvermögens sind durch das Tragen von Halbvisieren selten geworden. Auch schwere Schädelprellungen bis hin zum Schädelhirntrauma sind eine Rarität. Das Tragen von Gitterhelmen wird den Spielern dringend empfohlen.

Wirbelsäule und Rumpf: An Brust- und Halswirbelsäule kommen durch Kontaktkollisionen mit anderen Spielern oder der Bande vor allem Prellungen häufig vor. Rippenprellungen oder -frakturen sind selten und heilen meist folgenlos aus. Etwas schwerer wiegen Prellungen der Halswirbelsäule, insbesondere durch direkte Checks von hinten gegen die Bande. Vorbeugend sind ein striktes Anwenden des Regelwerks sowie eine harte Bestrafung des Athleten. Muskuläre Dysbalancen der Wirbelsäule spielen bei Verletzungen eine nicht unerhebliche Rolle, was durch entsprechende Vorbereitung mit computergesteuerten Trainingsgeräten aber bestens zu beeinflussen wäre.

Arme: Häufigste Verletzungen an den Armen betreffen die Schulter, meist ausgelöst durch einen Sturz oder ein direktes Anprallen gegen die Bande. Typische Schulterverletzungen sind Läsionen des Schultereckgelenks, Prellungen und Schulterluxationen. Brüche des Schulterblatts durch Stockschläge und Puck-Konzessionen sind durch die sich immer besser entwickelten Schulterprotektoren seltener geworden. Auch die Schleimbeutelentzündungen der Ellbogengelenke konnten durch den Ellbogenschutz minimiert werden. Brüche der Fingermittelknochen entstehen vorwiegend durch direkte Kontusionen von Puck oder Schläger, Kahnbeinbrüche entstehen vor allem durch Checks gegen die Bande, Kombinationsverletzungen stellen Kapsel- und Bandverletzungen teilweise mit Fingerluxationen dar ("Goal keeper's thumb").

Beine: Die häufigsten Verletzungen an den Beinen sind Kapsel-Bandverletzungen des Kniegelenks und hier insbesondere der Riss des Knie-Innenbandes, ausgelöst durch ein so genanntes Valgustrauma während eines Zweikampfs. Diese isolierte innere Seitenbandruptur heilt meist folgenlos unter konservativer Therapie aus. Nur wenn begleitend eine weitere Knieverletzung wie beispielsweise ein Meniskus- oder Kreuzbandriss vorliegt, wird eine Operation sowie eine anschließende suffiziente Rehabilitation erforderlich. Seltener sind Brüche der Kniescheibe durch direktes Anpralltrauma gegen die Bande, häufiger finden sich direkte Kontusionsverletzungen durch Puck oder Stock im Schuhrandbereich hin bis zu Frakturen der Fußwurzel- und Mittelfußknochen. Die häufigsten Verletzungen des oberen Sprunggelenks sind fibulare Bänderrisse und Syndesmosenverletzungen. Die häufigsten Muskelverletzungen entstehen durch direkte Kontusionen, einmal im Wadenbereich und vor allem die Zerrung von Adduktoren und Leiste, insbesondere betreffend die Torhüter durch die weiten Ausfallschritte. Die Verletzungen können durch entsprechende Trainings- und Dehnungsprogramme deutlich minimiert beziehungsweise gänzlich verhindert werden.

Um Spätschäden und Folgeschäden zu verhindern, ist für alle genannten Verletzungen eine völlige Ausheilung und Wiederherstellung entscheidend.

Vorbeugung von Verletzungen beim Eishockey

Der Autor Dr. med. Dietolf Hämel ist Facharzt für Orthopädie, Facharzt für Rehabilitative und Physikalische Medizin mit eigener Praxis in Rosenheim, ehemaliger Mannschaftsarzt der Starbulls Rosenheim und langjähriges Mitglied der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS)

GOTS-Kongress 2009

Der 24. GOTS-Kongress findet vom 19. bis 21. Juni 2009 im Klinikum Großhadern in München statt. Alle weiteren Informationen finden Sie auf der Kongress-Website.
Zur Kongress-Website

GOTS-Pressekonferenz 2009

Die GOTS lädt Sie ein zur diesjährigen Pressekonferenz am 18. Juni 2009 am Donnerstag, 18. Juni 2009, um 11 Uhr im Hotel Le Meridien in München. Bei der Pressekonferenz präsentieren wir Ihnen den Sportarzt des Jahres 2009, außerdem stehen Ihnen die Experten der GOTS Rede und Antwort.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem nächsten Newsletter.

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