GOTS: Verletzungen beim alpinen Skisport

Sehr geehrte Damen und Herren,

an diesem Montag beginnt in Garmisch-Partenkirchen die alpine Ski-Weltmeisterschaft 2011. Rasante Abfahrten, weite Sprünge: Wie verletzungsträchtig ist der dieser Sport wirklich?

Außerdem finden Sie in diesem Newsletter einen wichtigen Hinweis: Der 26. Jahreskongress der GOTS am 17. und 18. Juni 2011 findet an einem neuen Tagungsort in der Münchner Innenstadt statt.

Mit freundlichen Grüßen,
Frank Wechsel und Dr. Wolfgang Schillings, GOTS-Pressesprecher

Verletzungen beim alpinen Skisport

Vom 7. bis 20. Februar 2011 findet die Alpine Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen statt. In folgenden Disziplinen werden Medaillen vergeben: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom, Super Kombination (Abfahrt+Slalom), Teamwettbewerb. Das Damen-Team um Maria Riesch, Victoria Rebensburg und Kathrin Hölzl hat in allen Disziplinen gute Medaillenchancen. Nach der Verletzung des besten deutschen Abfahrers und Super-G Fahrers Stephan Keppler sieht es in diesen Disziplinen aus deutscher Sicht genau wie beim Riesenslalom und bei der Super-Kombination eher schlecht aus. Im Slalom hat Felix Neureuther durchaus Chancen auf einen Podestplatz.

Der alpine Skirennsport mit seinen verschiedenen Disziplinen erfordert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Mut. So werden bei den Herren-Abfahrten Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h erreicht und Sprünge über bis zu 80 Meter ausgeführt.

Die Belastungen der Band-Gelenk-Strukturen beim Skirennlauf hängen von der Resultierenden aller am Athleten angreifenden Kräfte sowie von der Körperposition ab. Belastungen des vierfachen Körpergewichts können gerade noch bewältigt werden. Wird jedoch bei 100 km/h ein Kurvenradius von 21 Metern unterschritten, kann die Belastung von 4 g nicht mehr gehalten werden. Das heißt: Eigentlich sind die Belastungsgrenzen des Bewegungsapparates im alpinen Skirennlauf schon überschritten.

Häufige Verletzungen

Nachdem in den letzten Jahren die Verletzungen im alpinen Skirennsport erheblich zugenommen haben, hat sich der Vorstand des Internationalen Skiverbandes (FIS) auf Anregung der Medizinischen Kommission unter der Leitung des Autors dieser Zusammenfassung intensiv mit diesem Problem auseinandergesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Oslo Sports Trauma Research Center wurde ab der Saison 2006/07 eine genaue Verletzungsstatistik erstellt, um damit gezielt Forschungen und Maßnahmen zur Reduzierung der Verletzungen einzuleiten. Die wichtigsten Ergebnisse daraus lauten:

Tabelle 1: Art der Verletzungen im Alpinen Skirennlauf
Frakturen 18,3 %
Bänder 45,0 %
Muskel/Sehnen 10,8 %
Haut 3,2 %
Schädel/Hirn 7,2 %
Prellungen 12,2 %
andere 2,9 %
keine Angaben 0,4 %
(n=278; 2006-2009)

Tabelle 2: Schweregrad der Verletzung im Alpinen Skirennlauf [Abwesenheit]
0 Tage: 19,4 %
1-3 Tage: 6,5 %
4-7 Tage: 15,1 %
8-28 Tage: 23,7 %
>28 Tage: 34,2 %
keine Angaben: 1,1 %
(n=278; 2006-2009)

Tabelle 3: Lokalisation der Verletzungen im alpinen Skirennlauf
Kopf/Gesicht: 8,3 %
Schulter/Clavicula: 6,1 %
Hand/Finger: 9,7 %
Becken/Wirbelsäule: 9,7 %
Knie: 37,1 %
Unterschenkel/Achillessehne: 11,5 %
andere: 17,6 %
(n=278; 2006-2009)

Überlastungsschäden

Im Vergleich zu den Verletzungen spielen die Überlastungsschäden während der aktiven Zeit eine untergeordnete Rolle. Dabei stehen die Lendenwirbelsäule und die Knie mit etwa 20 Prozent im Vordergrund. Wie sich die ständigen Belastungen auf eisigen Pisten langfristig auf den Knorpel auswirken, kann bisher nicht abschließend beurteilt werden.

Verletzungsprophylaxe

Die Vorbeugung von Verletzungen ist sehr schwierig, da viele Faktoren wie unter anderem Ski, Schuh, Bindung, Kurssetzung und Schneebeschaffenheit zusammenwirken und derzeit nur wenig wissenschaftlich fundierte Untersuchungen vorliegen.

Mit dem Department für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Salzburg werden seit der Saison 2009/10 die verschiedenen Ursachen, auch in der Praxis, analysiert, um dann eine gezielte Verminderung der Verletzungen zu erreichen. Viele Rennläufer wollen jedoch spektakuläre "schwierige Downhills", um die Sportart medienwirksam und attraktiv zu halten, ganz nach dem Motto: "No risk - no fun". Allerdings bleibt zu bedenken, dass mit "more fun" auch gleichzeitig "more risk" für die Gesundheit des Sportlers verbunden ist.

Über den Autor: Dr. Hubert Hörterer ist leitender Verbandsarzt des DSV, Chairman des Medical Committee der FIS und Vorsitzender der Verbandsärzte e.V. Er leitet eine Praxis für Orthopädie/Sportmedizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin in Rottach-Egern. Im Jahr 2008 wurde er von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) als Sportarzt des Jahres ausgezeichnet.

GOTS-Jahreskongress 2011: Neuer Tagungsort in Münchner Innenstadt

Der 26. Jahreskongress der Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) hat einen neuen Tagungsort. Am 17. und 18. Juni 2011 werden unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Christian H. Siebert (Hannover) im Gasteig München und im Hilton Munich City in der Rosenheimer Straße folgende Themen behandelt:

Ergänzend zu den Vorträgen werden Instruktionskurse, Workshops und Symposien mit praktischen Demonstrationen zu den Themen Ellenbogenverletzungen, Hüftarthroskopie, Patellainstabilität, Wettkampfmedizin und Sportphysiotherapie angeboten.

Informationen
www.gots-kongress.org

2. April 2011: GOTS-Thementag "Patella und Sport"

Zum Thementag „Patella und Sport“ lädt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) am 2. April 2011 nach Karlsruhe ein. Getagt wird im Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe.

Das Programm zum Download (PDF)

Anmeldung
Orthopädische Gemeinschaftspraxis am Ludwigsplatz
Prof. Dr. med. M. Buchner
Waldstraße 67
76133 Karlsruhe

Tel: 0721/920901 61
Fax: 0721/920901 30
E-Mail: Buchner@ortho-zentrum.de
www.ortho-zentrum.de

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