GOTS: Verletzungen beim Judo

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute beginnt in Instanbul (Türkei) die Judo-Europameisterschaft 2011. Ist der Kampfsport gefährlich?

Mit freundlichen Grüßen,
Frank Wechsel und Dr. Wolfgang Schillings, GOTS-Pressesprecher

Verletzungen beim Judo

Vom 21. bis 23. April 2011 findet die Judo-Europameisterschaft in Istanbul statt. Die Titel werden bei den Männern und Frauen in jeweils sieben Gewichtsklassen vergeben. Pro Gewichtsklasse dürfen maximal zwei Starter für eine Nation kämpfen. Viele Sportler bereiten sich im Ursprungsland des Judo, in Japan, auf wichtige Wettkämpfe vor - dort steht das Kampftraining (Randori) mit Japanern und internationalen Spitzenkämpfern im Mittelpunkt.

Nach der endgültigen Nominierung bildete die unmittelbare Wettkampfvorbereitung den Abschluss vor der Europameisterschaft. Medaillenhoffnungsträger sind aus deutscher Sicht in der Klasse bis 81 kg Ole Bischof (Olympiasieger 2008), +100 kg Andreas Tölzer (WM-Zweiter 2010), bis 52 kg Romy Tarangul, bis 63 kg Claudia Malzahn sowie bis 78 kg Heide Wollert (alle WM-Dritte 2009).

Anforderungs- und Belastungsprofil
Die japanische Kampfsportart hat sich im modernen Wettkampfsport in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Die Sportart wird unter anderem durch Veränderung der Wettkampfregeln mit höherem Angriffsdruck zunehmend dynamischer. Das daraus resultierende Belastungsprofil stellt hohe Anforderungen an moderne Technik und konditionelle judospezifische Fähigkeiten.

Akute Verletzungen
Im Freizeit-, Breiten- und Leistungssport sind Verletzungen beim Judo nicht selten anzutreffen. Insbesondere mangelnde Wurf- und Falltechniken, Fehlverhalten im Kampf, ungenügende konditionelle Vorbereitung und zu harte beziehungsweise eine unfaire Kampfweise können Ursachen für Verletzungen darstellen. Die Verletzungshäufigkeit wird unterschiedlich angegeben und liegt bei 1,5 bis 11,7 pro 1.000 Sportler pro Jahr. Der Altersgipfel liegt in der Gruppe der 20 bis 24-Jährigen. Eine ungleiche Verteilung der Häufigkeit von Verletzungen zwischen den Geschlechtern kann allenfalls bei jungen Sportlern mit erhöhten Zahlen bei Frauen nachgewiesen werden. Als Grund werden häufige männliche Trainingspartner in diesem Alter angesehen. Im Gegensatz zu anderen Sportarten treten im Judo 70 Prozent der Verletzungen im Training und damit weniger im Wettkampf auf.

Verletzungsprofil
Das spezifische Verletzungsprofil stellt sich folgendermaßen dar. Mit etwa 37,6 Prozent ist die obere Extremität etwa gleich häufig betroffen wie die untere Extremität (38,6 Prozent), gefolgt von Rücken- (7,9 Prozent) und Kopfverletzungen (6,3 Prozent). Schulter und Knie stellen mit je 20 Prozent die Hauptlokalisationen dar, das obere Sprunggelenk (8,3 Prozent) und der Ellbogen (7,7 Prozent) sind recht häufig betroffen.
Die Verletzungsarten verteilen sich mit 59,8 Prozent auf Bänderzerrungen und -risse, 23,1 Prozent fallen auf Kontusionen, 11,3 Prozent auf Frakturen und 3,9 Prozent auf Luxationen an Schulter, Ellenbogen oder Fingern, die im Vergleich zu den meisten anderen Sportarten überproportional häufig vorkommen.

Überlastungsschäden
Als typische Überlastungsschäden im Judo führt Clasing (2002) die Kapselverdickungen der Fingergelenke an, die durch chronisch-repetitive Mikrotraumatisierung zustande kommen. Das typische Blumenkohlohr ist langfristig Folge immer wieder auftretender Ohrmuschelhämatome, die meist unbehandelt bleiben. Diese kommen laut Scherbaum (1997) bei 20,7 Prozent der Männer und bei 7,5 Prozent der Frauen vor.

Prävention
Gesicherte Daten zur Prävention von Verletzungen beim Judo sind kaum verfügbar. Jedoch werden eine adäquate Aufwärmarbeit, eine Optimierung der Technik und die Anpassung der judospezifischen Kraftfähigkeiten an die steigenden Anforderungen als wichtige Bestandteile angesehen.

Verletzungshäufigkeit pro 1.000 Sportler pro Jahr

Alter in Jahren
<15 15-19 20-24 25-34 >34
gesamt 3 10,1 21,3 15,8 8,8
männlich 2,2 9 21,8 16,3 8,5
weiblich 7,5 14,5 20 14,4 10,5

Verletzungslokalisation beim Judo
obere Extremität: 37,6 %
- Oberarm/Schulter: 20,0 %
- Unterarm/Ellenbogen: 7,7 %
- Hand/Handgelenk: 3,4 %
- Finger: 4,5 %

untere Extremität: 38,6 %
- Knie 20,2 %
- Sprunggelenk: 8,3 %
- Fuß: 6,0 %

Rücken: 7,9 %

Kopf: 6,3 %

Verletzungsart beim Judo
Distorsionen/Rupturen: 59,8 %
Kontusionen: 23,1 %
Frakturen: 11,3 %
Luxationen: 3,9 %

Der Autor:
Dr. Daniel Wagner, Oberarzt Sportklinik Stuttgart, ist seit 2001 leitender Orthopäde am Olympiastützpunkt Stuttgart und seit 2001 Mitglied der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin

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