Sportarzt des Jahres 2018: Dr. med. Christian Schneider (München)

Dr. Christian SchneiderDer Sportarzt des Jahres 2018 heißt Dr. med. Christian Schneider und kommt aus München. Die traditionell von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) vergebene Auszeichnung wurde dem Leitenden Verbandsarzt des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) am Freitag in Hamburg im Rahmen des Deutschen Olympischen Sportärztekongresses verliehen. Seit vielen Jahren ist die sportorthopädische Expertise von Dr. Schneider bei Winter- und Sommersportlern gleichermaßen gefragt – und ebenso von nationalen und internationalen Verbänden und Organisationen. Die bestmögliche Betreuung von Athleten und Patienten konnte der Orthopäde im vergangenen Jahr mit der Einrichtung seines Orthopädiezentrums Theresie in München verwirklichen.

Laudator Resch: „Gibt nichts, was er nicht schafft“

„Wir sind froh, dass wir Christian Schneider als Leitenden Mannschaftsarzt gewinnen konnten“, sagt Alexander Resch in seiner Laudatio. „Es gibt nichts, was er nicht schafft – und ist die Herausforderung auch noch so groß“, so der Rodel-Olympiasieger von Salt Lake City 2002 im Doppelsitzer, der im Vorstand des BSD für das Leistungssport-Management verantwortlich ist. „Christian Schneider genießt das uneingeschränkte Vertrauen seiner Mannschaftskollegen – und vor allem das seiner Athleten.“

Führende Sportmediziner als Lehrmeister

Dr. Schneiders sportliche Ambitionen wurden schon im Alter von 14 Jahren durch eine schwere Verletzung jäh gestoppt. „Es war aber auch der Anstoß, es als Arzt besser machen zu wollen“, sagt er in der Rückschau. Seine Ausbildung zum Orthopäden war geprägt von führenden Sportorthopäden wie Prof. Hartmut Krahl vom Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen.
Dr. Hubert Hörterer, in der GOTS Vertreter des Ehrenbeirats, und der Medical Park St. Hubertus am Tegernsee unterstrichen zudem die Bedeutung einer nachhaltigen und angepassten Physiotherapie für die Rehabilitation – nach Operationen, aber vor allem auch im Umfeld des Leistungssports. Die konservative orthopädische Praxis von Dr. Volker Jägemann zeigte das ganze Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten, und wie das gesammelte Wissen aus der Sportlerbetreuung in die tägliche Arbeit am Patienten eingebracht werden kann.

Die Jahre in der Schön Klinik München Harlaching führten Schneider vom Assistenzarzt bis zum Leitenden Arzt des Rückeninstituts, Ambulanten Reha-Zentrums und Chefarzt des Sportorthopädischen Instituts. In enger Zusammenarbeit mit Prof. Michael Mayer spezialisierte er sich auf die Behandlung der Wirbelsäule. Die starke Beanspruchung in der aktiven Sportlerbetreuung sowie zahlreiche Ehren- und Verwaltungsämter hatten schließlich aber den Rückzug aus dem Operationssaal zur Folge. Seine vielen wissenschaftlichen Arbeiten – unter anderem gefördert durch den Weltfußball-Verband FIFA, staatliche Organisationen oder die Industrie – befassten sich mit verletzten Sportlern sowie einer optimierten sportmedizinischen Betreuung und Behandlung.

Olympia-Premiere in Turin 2006

„Im Jahre 2000 fragte mich Dr. Jägemann, ob ich nicht Lust hätte, einmal im Jahr die deutsche Meisterschaft der neuen olympischen Sportarten Skeleton und Damenbob zu betreuen“, erinnert sich Schneider an den Beginn seiner bis heute währenden Arbeit in dem erfolgreichen Wintersportverband. Turin 2006 waren seine ersten Olympischen Winterspiele. „An die herausragenden Leistungen unserer Athleten erinnere ich mich gern, aber auch an kritische Momente bei diesen Spielen.“ Eine Athletin war im zweiten Monat schwanger und nahm dennoch am Skeleton-Wettbewerb teil. „Auf die mediale Vermarktung und Verbreitung war ich so nicht vorbereitet“, gesteht Schneider und erzählt schmunzelnd, wie er sich schnellen Rat beim Gynäkologen seiner Frau geholt hatte: „Es hat alles geklappt: Platz vier – und ein gesunder Junge.“

Schneider kümmert sich auch um die Aus- und Weiterbildung sowie die Anti-Doping-Aufklärung. Seit 2010 leitet er als Medical Chair die medizinische Kommission des Internationalen Bob- und Schlittenverbandes (IBSF), der ihn 2014 mit dem Ethikpreis auszeichnete. In medizinischen Belangen und der Dopingbekämpfung erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), der Internationalen Sportmedizinorganisation FIMS und den anderen Wintersport-Verbänden. Als Medical Chair für das Alpensia Olympic Sliding Center war Schneider bei den Olympischen Winterspielen in PyeongChang 2018 in der Verantwortung.

Seit 2012 ist Schneider Vorsitzender des Vorstands im Verein der Verbandsärzte Deutschland e.V. und gehört dem Vorstand der GOTS an. „Ich möchte junge Sportmediziner ermutigen, den Weg auch in die Verbandsarbeit einzuschlagen“, sagt Schneider. Es brauche zwar einige Jahre, sich ein gewisses Standing und Spezialgebiet aufzubauen, Rückschläge und Widerstände inklusive – aber unvergessliche Momente und dankbare Sportler machten dies alles mehr als wett. Und die GOTS sowie die Verbandsärzte Deutschland e.V. helfen mit gemeinsamer Ausbildung und Fellowships.

Für „seine“ Sportler allzeit im Einsatz

Neben seinen umfänglichen Aufgaben auch am Olympiastützpunkt Bayern, bei der Betreuung von Kaderathleten an der Abteilung für Sportmedizin und Prävention der Technischen Universität München sowie der Medizinischen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) oder als Leiter des Lehrstabs der DOSB-Sportphysiotherapie steht die tägliche Routine in der eigenen orthopädischen Praxis an der Theresienwiese in München im Vordergrund. Und natürlich das Wirken als Verbandsarzt. „Denn das findet schließlich nicht nur bei Olympia statt“, sagt Schneider. „Die Sportler wissen, dass ich jederzeit erreichbar bin, egal, ob es um eine Frage zu einem Medikament oder um eine akute Verletzung geht.“

Das perfekte Teamwork im Verband sei die Grundlage für solch großartige Erfolge wie jüngst bei Olympia in Südkorea. Vier Jahre nach den bitteren Ergebnissen von Sotschi „haben die Sportler sich und uns belohnt“. Ohne den Rückhalt der Familie wäre dies alles kaum möglich. Inzwischen treffen sich Schneider und seine Frau, die gleichfalls Sportmedizinerin ist, immer öfter auch bei gemeinsamen Veranstaltungen. Dr. Eva-Maria Schneider ist Vizepräsidentin des Deutschen und Europäischen Tennis Bundes sowie Mitglied der Medizinischen Kommission des Internationalen Tennisverbandes ITF. „Die Zeit Zuhause und mit unseren Kindern (18/16 Jahre) wird weniger“, sagt Schneider. Umso intensiver wird die gemeinsame Freizeit genutzt – zum Beispiel für die Besteigung des Kilimandscharo.


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