Sportarzt des Jahres 2017: Dr. med. Hans-Peter Boschert (Freiburg)

Selbstverständnis als Sportmediziner und Mannschaftsarzt

Der Sportarzt des Jahres 2017 heißt Dr. med. Hans-Peter Boschert und kommt aus Freiburg. Die traditionell von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) vergebene Auszeichnung wurde dem langjährigen Verbandsarzt des Deutschen Turner-Bundes (DTB) am Freitag in Berlin im Rahmen des 32. Jahreskongresses der GOTS verliehen. Der 56 Jahre alte Sportmediziner ist Turner durch und durch. Die Sportart habe ihn „geprägt“, sagt Boschert. Erst als erfolgreicher Wettkämpfer in der 1. und 2. Bundesliga – nach dem Studium in Freiburg und Pretoria (Medical University of South Africa) seit nunmehr 27 Jahren als Mediziner bei den wichtigen Events der Turnerinnen und Turner.

Sportarzt des Jahres 2017 - Dr. med. Hans-Peter Boschert (Freiburg)

Dr. med. Hans-Peter Boschert (Freiburg)

Seit Sydney 2000 hat der am 10. August 1960 in Oberkirch im Schwarzwald geborene Boschert das Turn-Team Deutschland bei allen Olympischen Sommerspielen betreut. Sein persönlicher Höhepunkt allerdings war der Gewinn der Mannschafts-Bronzemedaille der Männer bei der Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart. „Der Erfolg war geprägt von einem unglaublichen Zusammenhalt der Mannschaft, einer einzigartigen Stimmung innerhalb des gesamten Teams und einer euphorisierenden Welle der Begeisterung durch das Publikum“, sagt Boschert.

Ein außergewöhnliches Erlebnis, aber auch eine besondere medizinisch-ethische Herausforderung waren die Spiele im vergangenen Jahr in Rio de Janeiro. Als sich Andreas Toba das Kreuzband riss, aus Loyalität dem Team gegenüber aber noch ans Pauschenpferd ging, geriet auch der Mannschaftsarzt in den kritischen Fokus der Medien. „Es war für mich nach der ersten Diagnose klar: Mit einem festen und stabilen Tapeverband kann man es verantworten, dass er am Pauschenpferd eine Übung turnt“, erklärte Boschert im August 2016 in der brasilianischen Olympia-Stadt. „Und lange Zeit zu überlegen hatten wir nicht. Andi hat das so für sich entschieden, und ich habe die Entscheidung mitgetragen.

Umfassende Kenntnisse über die Sportart, deren Strukturen und Problematiken sollte ein Verbandsarzt nach Boscherts Auffassung mitbringen. „Am besten sollte er aus der Sportart selbst kommen.“ Neben dem persönlichen Kontakt zu nationalen und internationalen Funktions- und Entscheidungsträgern sei eine regelmäßige Betreuung der Athleten in Training und Wettkampf unabdingbar – das ganze Jahr über. In Zusammenarbeit mit den Trainern könnten Präventionskonzepte erarbeitet werden.

„Der wichtigste Aspekt ist aus meiner Sicht aber die Zusammenarbeit im Team zwischen Athlet, Trainer, Physiotherapeut, Arzt, Biomechaniker, Funktionär, Ernährungswissenschaftler und Psychologe. Nur wenn alle zusammen Hand in Hand arbeiten, ist der größtmögliche Erfolg für die Mannschaft und den einzelnen Athleten möglich“, sagt Boschert. Der Mannschaftsarzt sei auch Koordinator, bei dem alle wichtigen Informationen zusammenkommen.

Das Turnen war und ist für Boschert „eine der vollkommensten und faszinierendsten Sportarten überhaupt. Es macht einfach Spaß, dabei zu sein. Turnen ist Dynamik, Kraft und Ästhetik und beinhaltet alles, was ein Sportler haben sollte: motorische und psychomotorische Eigenschaften in hoher Ausprägung“, sagt der Vater einer Tochter (20) und eines Sohnes (17), der sich seit dem 1. Januar 2000 in der Praxisklinik „Die Sportorthopäden“ in Freiburg als Arzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin und Osteopathie sowie als Ernährungsexperte niedergelassen hat.

„Eine perfekte Wahl. Ich gratuliere der GOTS zu ihrer exzellenten Entscheidung, Dr. Hans-Peter Boschert als Sportarzt des Jahres auszuzeichnen“, sagt Laudator Wolfgang Willam. Der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB) schätzt das „angenehme und konstruktive Miteinander im Team, wobei Boschert sich als Teamplayer im Sinne des größtmöglichen sportlichen Erfolges versteht – und sich dabei persönlich nicht in den Vordergrund schiebt“.


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