GOTS Sportarzt des Jahres 2002

Ein Orthopäde mit fundierten internistischen Kenntnissen

Auszeichnung für den Praktiker an der „Front“ – Dr. Karlheinz Graff ist erster deutscher „Sportarzt des Jahres“

Auf zwei Säulen steht die Arbeit der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS): der wissenschaftlichen Komponente und der Betreuung von Spitzensportlern in der Praxis. In den vergangenen Jahren verschob sich der Schwerpunkt mehr zur rein technisch orientierten operativen und experimentellen Medizin. Dem will das Präsidium der GOTS nun mit der Auszeichnung „Sportarzt des Jahres“ entgegenwirken. „Wir müssen wieder die Ärzte an der Front hervorheben und würdigen. Diese kümmern sich oft aufopfernd um Spitzenathleten aller Sportarten bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften sowie im Trainingsalltag. Mit der Auszeichnung eines ‚Sportarzt des Jahres‘ wollen wir das Engagement einzelner hervorheben, im Grunde aber das Augenmerk der Öffentlichkeit auf diesen Berufsstand lenken“, sagt GOTS-Schatzmeister Dr. Volker Jägemann aus Freising, dessen Vorschlag jetzt erstmals in die Tat umgesetzt wird. „Eine Jury hat Dr. Karlheinz Graff aus Essen ausgewählt, der seit Jahrzehnten Spitzenathleten vieler Sportarten behandelt und im stillen Großes geleistet hat. Er ist ein würdiger erster Preisträger und verkörpert genau die Qualitäten, die eine Sportarzt haben muß.“

Nach zwei Semestern Chemie in Mainz wechselte der heute 55 Jahre alte Karlheinz Graff nach Heidelberg, wo er 1976 sein Staatsexamen als Mediziner machte und über das Thema „Vergleich von Stoffwechselparameter bei Wettkampf und Fahrrad-ergometerleistungen“ promovierte. Zunächst wandte er sich an der Universitäts-poliklinik von Heidelberg der internistischen Sportmedizin zu und beschäftigte sich mit der Leistungsdiagnostik und Felduntersuchungen bei Kaderathleten. „Ich hatte viel Freude an der Theorie dieser Fachrichtung“, sagt Dr. Karlheinz Graff im Rückblick. „Bald merkte ich aber, daß die Behandlung von verletzten Sportlern mir mehr Spaß machte als theoretisch mit leistungsphysiologischen Daten im Training zu beraten.“ Deshalb entschied er sich, in die Orthopädie zu wechseln.

1980 begann Dr. Karlheinz Graff seine orthopädische Ausbildung bei Professor Hartmut Krahl in der Orthopädischen Klinik des Alfried-Krupp Krankenhauses von Essen. Die Facharztprüfung legte er 1985 ab. Bereits ein Jahr später wurde er Oberarzt und Leiter des Sportmedizinischen Instituts in Essen, das der Orthopädischen Klinik des Alfried-Krupp-Krankenhauses angeschlossen war. Seit 1991 ist er mit eigener Praxis in Essen-Kettwig niedergelassen.

„Am Sportmedizinischen Institut und in meiner Praxis habe ich Athleten vieler Sportarten betreut. Hauptsächlich aber versorgte ich Leichtathleten, zwanzig Jahre als Arzt der Leichathletik-Nationalmannschaft bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, von 1996 bis zum Jahr 2000 als Leitender Verbandsarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV)“, beschreibt Dr. Karlheinz Graff seine Aktivität. Dazu wirkte er fünfmal als Betreuer des deutschen Teams bei der Universiade mit. Nach den Olympischen Spielen in Sydney ist er aus den Diensten des DLV ausgeschieden. „Zwanzig Jahre waren genug“, sagt er, „aber die Sportler kommen immer noch in meine Praxis. Denn mit der Aufgabe meiner Funktion beim DLV endet ja nicht die Arbeit als Sportorthopäde.“ Er hat Spitzenathleten wie den Bobfahrer Christoph Langen, den Skilangläufer Andreas Schlüter, 800-m-Olympiasieger Niels Schumann, Hochsprung-Weltmeister Martin Buss und die Zehnkämpfer Frank Busemann und Paul Meier erfolgreich operiert.

Wissenschaftlich befaßte sich Dr. Karlheinz Graff mit sportartspezifischen Verletzungen besonders in der Leichtathletik. Sein Interesse galt dem Phänomen der Streßreaktionen und Streßfrakturen des Knochens durch sportliche Beansprungung. In seiner fachlich-praktischen Arbeit beschäftigte er sich viel mit der konservativen und operativen Therapie von Weichteil- und Sehnenbeschwerden und -verletzungen, insbesondere Achillessehnenbeschwerden und -verletzungen sowie Schienbeinkantenschmerzen. „Im Leistungs- und Spitzensport habe ich mich für Chancengleichheit im Sport eingesetzt und habe auch die Rolle der Ärzte im Spitzensport kritisch und wie ich hoffe, konstruktiv hinterfragt“, sagt der Hobby-Ausdauersportler (Radfahren, Skilanglauf). Im Anti-Doping-Kampf setzte er sich für einen sauberen Sport ein und mußte dabei so manches „Gegenfeuer“ hinnehmen.

21. Juni 2002


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