Sportarzt des Jahres 2015: Dr. Lukas Weisskopf (Rheinfelden)

Lust und Leiden in der medizinischen Abteilung

Ohne eine perfekte medizinische Abteilung sind sportliche Höchstleistungen nicht möglich. Warum er nach vielen Jahren als Team-, Verbands- und Schweizer Olympia-Arzt noch mit Herz und Seele bei der Sache ist und nach zwei Winterspielen nun auch gerne einmal bei Olympischen Spielen im Sommer dabei sein würde, beschreibt der Experte für Knie- und Achillessehnenverletzungen, Dr. Lukas Weisskopf:

GOTS Sportarzt des Jahres 2015 - Dr. Lukas Weisskopf

Dr. med. Lukas Weisskopf (Rheinfelden/Schweiz)

Wie viele meiner Kollegen habe ich Tausende von Stunden am Spielfeldrand und bei diversen Sportevents verbracht. Obwohl ich schon zwölf Jahre dabei bin, macht es mir noch immer riesigen Spaß. Allerdings bereitet mir ein bisschen Sorgen, dass die Motivation der jungen Sportärzte für diese Aufgabe ein wenig schwindet. Das würde ich gerne ändern und die Lust auf diese Basisarbeit wieder entfachen.

Die Erfolge der Sportler entschädigen für manchen Ärger – manchmal auch mit Trainern und Athleten, die schnellere Fortschritte beim Heilungsprozess erwarten – und sind ein toller Lohn für die Arbeit als Teamarzt. Für mich waren jüngst besonders herausragend die Erfolge bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi von Dominique Gisin, die in der alpinen Ski-Abfahrt die Goldmedaille gewonnen hat, und Bronze für die Eishockey-Girls. Aber auch die überraschende Goldmedaille von Patrick Küng, der nach seiner schweren Kreuzband-OP im Frühjahr bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Vail in der Abfahrt grandios reüssierte und Gold gewann.

Mein Interesse, die Verletzungsmuster im Sport zu verstehen und Athleten wieder an ihre Höchstleistung heranzuführen, ist bis heute riesig. Angefangen hat meine Begeisterung für die Sportmedizin und Sportorthopädie als Handballer in der Junioren-Nationalmannschaft und mit dem RTV Basel in der obersten Schweizer Liga, der NLA. Schwere Verletzungen blieben auch mir nicht erspart. Dennoch bleibt trotz fünf Knieoperationen und dreier Kreuzbandrisse für mich die Erkenntnis, dass der Sport eine unglaublich wertvolle Lebensschule ist.

Selbst in den unschönen Verletzungszeiten kann jeder Athlet persönlich und athletisch Fortschritte erzielen und diese Erfahrung in positive Energie umwandeln. Diesen Prozess zu begleiten und maßgeblich zu steuern ist von eminenter Bedeutung neben einer perfekten konservativen oder operativen Therapie. Dabei gilt es, das Umfeld des Athleten unbedingt zu integrieren.

Voraussetzung ist ein immer maximaler Einsatz im Betreuungs-Team, aber nie mit unerlaubten Mitteln oder Methoden. Der Einsatz von Dopingmitteln wird immer raffinierter. Sportler und Mediziner sind in diesem Bereich sehr kreativ. Oft wissen die Dopingfahnder gar nicht, nach welchen Substanzen denn überhaupt gesucht werden muss. Dennoch glaube ich an den Erfolg der Antidoping-Agenturen im Kampf gegen illegale Substanzen.

Dr. med. Lukas Weisskopf
Schweizer Olympia-Teamarzt


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