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Tricodur-Asien-Fellowship

Zwei koreanische und zwei japanische Orthopäden kommen zum Lernen nach Europa und inspirieren ihre deutschen Kollegen

Wenn sich europäische Mediziner international fortbilden wollen, reisen sie meistens in die Vereinigten Staaten von Amerika. Nur sehr wenige orientieren sich in andere Richtungen. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen Austausch mit Asien zu fördern – mit dem Tricodur-Asien-Fellowship.

In einem Selektionsverfahren werden jedes zweite Jahr vier GOTS-Fellows (zwei Deutsche, ein Schweizer, ein Österreicher) ausgewählt. Sie haben die Möglichkeit, ihr medizinisches Wissen in Japan und Südkorea zu erweitern, neue wissenschaftliche und kulturelle Eindrücke zu gewinnen sowie Kontakte zu den sportorthopädischen Kapazitäten in diesen Ländern zu knüpfen. Im Wechsel dazu besuchen seit 1992 vier hochqualifizierte Kollegen aus Japan und Korea die GOTS-Länder Deutschland, Österreich, Schweiz. Beiersdorf und Smith & Nephew medical (BSN medical) unterstützt nun mit dem Tricodur-Asien-Fellowship das Austauschprogramm der GOTS. Seit 5. Juni sind die jungen Assistenz-Professoren Dr. Yu Mochizuki und Dr. Masato Takao aus Japan sowie Dr. Chul-Won Ha aus Korea in Deutschland. Nach ihrem Aufenthalt in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin (12. Bis 16. Juni) geht es weiter nach Basel, Innsbruck, Wien und München. Dr. Jin-Young Park ist erst in Hamburg zu seinen Kollegen gestoßen.

Die drei orthopädischen Chirurgen Yu Mochizuki, Masato Takao und Chul-Won Ha strahlten nach den ersten beiden Tagen ihres Besuches um die Wette: „Die Menschen hier sind so warmherzig und alles, besonders in den Krankenhäusern, ist so sauber.“ Nach einem Abendessen zum Kennenlernen mit GOTS-Präsident PD Dr. Martin Engelhardt mußten die drei Asiaten am nächsten Tag ein volles Programm erledigen: Diskussion mit dem orthopädischen Personal der Frankfurter Johann Wolfgang von Goethe-Universität, dann Teilnahme an mehreren Operationen, Besuch des einzigen Orthopädie-Museums von Deutschland und schließlich ein Ausflug nach Heidelberg. „Die Operationstechniken“, sagt Dr. Ha aus Korea, „sind im Prinzip dieselben wie bei uns. Nur die Einrichtungen in den Kliniken sind anders. So kommt zum Beispiel im Operationssaal das Licht von der Decke, in Korea und Japan kommt es von der Seite.“ Erste fachliche Eindrücke.

„Für asiatische Verhältnisse“, stellt GOTS-Präsident Engelhardt fest, „sind diese vier Kollegen sehr weltoffen. Sie haben gute Ideen präsentiert, besonders über eine für uns neue Arthroskopie-Technik. Das hat uns beeindruckt. Wir werden diese Technik auch bei uns ausprobieren.“

Das Tricodur-Fellowship im Jahr 1994 hat die gesamte ärztliche Entwicklung von Dr. Martin Engelhardt geprägt. Er erinnert sich: „Zusammen mit meinen Kollegen Dr. Klaus Dann aus Wien, Dr. Hans-Gerd Piper aus Essen und Privatdozent Dr. Beat Hintermann aus Basel besuchten wir damals vier Wochen die beiden asiatischen Länder, lernten führende Wissenschaftler persönlich kennen und konnten ein gutes Dutzend südkoreanische und japanische Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen begutachten. Dies verschaffte uns einen Überblick, was im Ausland auf medizinischem Sektor geleistet wird. Außerdem befruchteten wir Europäer uns in unserer Arbeit gegenseitig. Es ist doch so, daß man in ärztlichen Kreisen von Kollegen oft als Konkurrent betrachtet wird und sich deshalb fachlich nicht austauscht. Wir vier aber entwickelten Vertrauen, unterhielten uns über Operationstechniken oder Probleme, die im Alltag auftauchen. Ich selbst bin mit den drei anderen noch immer befreundet, und wir haben uns oft besucht. So konnte ich in Wien und Basel mitoperieren. Privatdozent Hintermann kam im Gegenzug beispielsweise zu uns in die Universitätsklinik nach Frankfurt, um bei Operationen mitzuwirken.“ Auch im Verband arbeiten die ’94 Austausch-Mediziner aktiv mit.

Ein vielfältiges Programm haben die vier asiatischen Fellows in Mitteleuropa schon präsentiert bekommen und werden sie noch zu absolvieren haben: zum Beispiel den RehaDome in Frankfurt, das modernste Rehabilitationszentrum in Deutschland, die Produktionsstätten von Beiersdorf, die Endo-Klinik in Hamburg, eine OP-Einheit im Evangelischen Waldkrankenhaus von Spandau und die Sportmedizin der Freien Universität Berlin. Zum Abschluß nehmen die vier Fellows am jährlichen GOTS-Kongreß teil, der zusammen mit der Efost, der europäischen Organisation dieses Berufsstandes, vom 28. Juni bis 1. Juli in München stattfindet. Dort erhalten Yu Mochizuki, Masato Takao, Jin-Young Park und Chul-Won Ha einen Überblick über den Stand der orthopädisch-traumatolischen Sportmedizin in Europa. Und die vier bekommen die Gelegenheit, ihr Wissen den europäischen Kollegen mitzuteilen. Auf den Kontakt mit PD Dr. Beat Hintermann freut sich Masato Takao: „Es ist ein Star unter den Knöchel-Spezialisten und in Japan unter den Orthopäden sehr berühmt. Ich will ihn in der Schweiz und beim Kongreß in München unbedingt treffen.“

„Im Vergleich zu den amerikanischen Orthopäden sind die deutschen Kollegen viel offener und fachlich kreativer. Das hat mich gleichzeitig erstaunt und erfreut. Für mich ist aber auch klar, die Medizin ist global geworden. Vieles wird identisch bearbeitet. Trotzdem lernt man immer dazu und nimmt immer wieder Anregungen aus anderen Ländern mit nach Hause, die man dann umsetzen kann und die den Patienten zugute kommen“, sagt der international erfahrene Koreaner Dr. Chul-Won Ha, der schon in New York, der Schweiz oder England andere medizinische Systems studiert hat. „Die modernen Kliniken in Korea ähneln in der Ausstattung und im organisatorischen Ablauf sehr den deutschen. Nur wünschen wir Mediziner uns in vielen bestehenden Krankenhäusern so viel Platz wie in den deutschen Krankenzimmern und Operationssälen. Bei Neubauten orientiert man sich zum Glück an den westlichen Standards.“

„Wir in der GOTS sind glücklich, daß BSN medical dieses Fellowship mitträgt“, sagt GOTS-Präsident Engelhardt. Das Hamburger Unternehmen und die GOTS arbeiten schon seit 1994 zusammen. BSN medical lädt alljährlich mehrmals zu Expertengesprächen ein, unterstützt die GOTS beim Aufbau der Internetseite und der Geschäftsstelle sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit. Zwei- bis dreimal jährlich trifft man sich zu Arbeitsmeetings in kleiner Runde.

„Ein Vertrag regelt die Leistungen und Gegenleistungen“, erklärt Engelhardt. „Wir haben darin einen offenen und ehrlichen Austausch zum gegenseitigen Nutzen klar definiert. Die Expertenrunden zum Beispiel sind für praktizierende Ärzte befruchtend. Man kann sich interdisziplinär austauschen, Trends feststellen oder überlegen, welche Produkte diese oder jene Therapie unterstützen.“

„Wir wollen das Know-how und die praktische Erfahrung der Mediziner in unsere orthopädischen Produkte einfließen lassen“, sagt Rainer Bannenberg, Marketingleiter Deutschland für orthopädische Produkte bei BSN medical. „Durch den Kontakt zu den GOTS-Mitgliedern wissen wir, was an vorderster Front abläuft. Wenn wir einmal eine Frage haben, sind die Türen bei den Orthopäden und Sportmedizinern immer offen. Uns ist die GOTS als aktiver Verband aufgefallen, den es sich lohnt zu unterstützen.“

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