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BMX aus sportmedizinischer Sicht

Sehr geehrte Damen und Herren,

spektakuläre Sprünge in der Halfpipe sind nicht nur den Wintersportlern vorbehalten: Nach den imposanten Bildern aus Sotschi widmen wir uns in dieser Ausgabe dem BMX-Sport aus sportmedizinischer Sicht. Alle Inhalte sind wie immer zur Veröffentlichung und weiteren Verwendung freigegeben.

In knapp vier Monaten findet in München vom 20. bis 21. Juni 2014 der 29. GOTS-Jahreskongress statt – parallel zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. „Mit der WM in Brasilien begleitet unser Kongress nicht zum ersten Mal ein sportliches Fußball-Großereignis“, schreibt Kongresspräsident Prof. Dr. med. Gerhard Bauer in seinem Grußwort. „So ist es naheliegend, dass auch wir den Fußball ins Zentrum unseres Interesses rücken. Einleitend stellt sich dabei sicherlich eine unserer Hauptfragen, in wieweit Fußball und Wissenschaft überhaupt miteinander konform gehen können, oder aber welche Erkenntnisse trotz mancher Skepsis zunehmend Akzeptanz finden.“ Auch die Pressekonferenz, die am 21. Juni 2014 um 13.15 Uhr erstmals innerhalb des Kongresses stattfindet, wird sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema beschäftigen.

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses findet jährlich im Rahmen des GOTS-Jahreskongresses das Forum GOTS Young Investigator Award – by Ottobock statt. Damit wird jungen Forschern (z.B. Diplomanden, Stipendiaten, Doktoranden, etc.) die Möglichkeit gegeben, die Ergebnisse ihrer Arbeit öffentlich zu präsentieren und in Kontakt mit erfahrenen Wissenschaftlern zu treten. Die Ausschreibung zu dieser Preisverleihung finden Sie hier.

Hinweisen möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf den 15. Jahreskongress der Landesinnung Bayern für Orthopädie-Schuhtechnik vom 25. bis 27. April 2014 in Garmisch-Partenkirchen. Hier finden Sie die Einladung mit dem vollständigen Programm und dem Anmeldeformular.

Mit freundlichen Grüßen,
Frank Wechsel und Dr. Wolfgang Schillings, GOTS-Pressesprecher

BMX aus sportmedizinischer Sicht

BMX (Bicycle Moto Cross) ist eine in den 1970er-Jahren entstandene Radsportart, die sich schon früh in die Disziplinen Race und Freestyle aufgeteilt hat. Die eingesetzten Fahrräder zeichnen sich durch einen hohen Lenker und kleine 20-Zoll-Laufräder aus.

Im Race-BMX werden – ähnlich wie im Moto-Cross-Sport – Rennen auf präparierten Pisten mit Steilkurven und Sprüngen ausgetragen. Beim BMX Freestyle haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Unterdisziplinen entwickelt: Halfpipe bzw. Miniramp, Street, Park, Dirt Jump und Flatland. Beim Halfpipe (Vert) und Miniramp wird auf U-förmigen Rampen gefahren, wie sie auch vom Skateboarden bekannt sind. Street ist eine freie Disziplin, bei der Hindernisse aller Art, wie z. B. Treppen, Geländer oder Bänke, für Tricks genutzt werden. Beim Park-Riding werden die Disziplinen Street und Ramp auf häufig extra für Wettkampveranstaltungen konstruierten Landschaften aus Rampen und anderen Hindernissen kombiniert. Beim Dirt Jump nutzen die Fahrer präparierte Erdhügel für hohe spektakuläre Sprünge. Und beim Flatland werden akrobatische Tricks mit dem Rad auf flachem Terrain vorgeführt.

BMX seit 2006 olympisch

Während BMX Race erstmals 2006 in Peking olympisch und unter dem Dachverband der UCI (Union Cycliste Internationale) betrieben wurde, ist BMX Freestyle eine außerhalb von Vereinen und Organisationen vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgeübte Funsportart. Heute existieren im BMX Freestyle weltweit drei größere Wettkampf-Events, die BMX Worlds (ehemals BMX Masters) traditionell in Köln sowie die X-Games und Drew Tour in den USA. Zusätzlich finden regelmäßig privat veranstaltete lokale Wettkämpfe statt.

Im BMX Race existieren mehrere nationale und internationale Rennserien wie die BMX Bundesliga, die Deutsche BMX Meisterschaft, die European Championchips League oder die UCI BMX World Championchips und der UCI BMX Supercross World Cup. Die mit dem BMX-Sport assoziierte Industrie hat sich zumindest im Freestyle weitgehend unabhängig von der sonstigen Fahrradindustrie entwickelt. Die meist kleinen Firmen werden überwiegend von BMX-Fahrern selbst betrieben.

Anforderungs- und Belastungsprofil an den BMX-Sportler

Bei den verschiedenen BMX-Disziplinen kommen ganz unterschiedliche Arten und Schweren von Verletzungen und Überlastungsschäden vor. Während beim Race-BMX vor allem ein hohes Maß an Schnellkraft und Ausdauer gefordert ist, kommt es beim Freestyle insbesondere auf einen besonders guten Gleichgewichtssinn sowie ausgeprägte koordinatorische Fähigkeiten und Körperspannung an.

Je nach Disziplin viele Akutverletzungen

Das Verletzungsrisiko ist vor allem beim BMX Freestyle sehr hoch, wobei die einzelnen Verletzungsarten sich in ihrer Häufigkeit bei den einzelnen Unterdisziplinen unterscheiden. Leichtere Akutverletzungen wie Hautabschürfungen und Prellungen kommen bei allen Disziplinen vor. Verstauchungen treten ebenfalls häufig und besonders beim Street auf. Seltener kommt es zu schwereren Verletzungen wie Verrenkungen oder Knochenbrüchen. Diese Verletzungen treten gehäuft beim Vert und Miniramp, aber auch gelegentlich beim Street auf. Wirbelsäulenverletzungen finden sich nahezu ausschließlich beim Vert, vermutlich bedingt durch die große Fallhöhe (etwa drei bis vier Meter). Zahnverletzungen treten ebenfalls relativ oft auf, Gehirnerschütterungen dagegen weniger häufig und schwere Schädel-Hirn-Traumata eher selten (sogar deutlich weniger als im Rennradsport oder beim Mountainbiken). Die am häufigsten verletzen Körperregionen sind die Hand und das Sprunggelenk, gefolgt von Knie und Ellenbogen. Die Mehrzahl der Akutverletzungen ereignet sich beim Training, etwa 30 Prozent treten im Wettkampf auf.

Vergleichsweise wenig Überlastungsschäden

Chronische Überlastungsschäden sind im Vergleich zu den Akutverletzungen eher selten und betreffen meist das Handgelenk und die Knie. Diese sind sowohl beim Race aber auch bei den Freestyle-Disziplinen Street und Dirt Jump vor allem durch das ständige Abfangen von Sprungbelastungen bedingt. Beim Flatland treten die Überlastungsschäden im Handgelenk vor allem durch Stützbelastungen auf (ähnlich wie beim Kunstturnen).

Mehr Prävention aus medizinischer Sicht wünschenswert

Gesicherte Daten zur Prävention im BMX-Sport sind kaum verfügbar. Während bei offiziellen Wettkampveranstaltungen eine Helmpflicht besteht, ist weitere Schutzkleidung wie Schienbeinschoner oder Rückenprotektoren nicht vorgeschrieben. Beim Training wird von den meisten Freestyle-Fahrern nach eigenen Angaben keinerlei Schutzausrüstung getragen. Die Verletzungshäufigkeit und -schwere ließe sich sicherlich durch das konsequente Tragen von Schutzausrüstung reduzieren. Ein adäquates Aufwärmen, eine Optimierung der Technik sowie ein disziplinspezifisches Krafttraining können ebenfalls vor Verletzungen und chronischen Überlastungsschäden schützen.

Street Miniramp Halfpipe Dirt Jump Flatland
HäufigsteVerletzungsarten SchürfwundenPrellungenVerstauchungenVerrenkungen

Zahnverletzungen

Frakturen

SchürfwundenPrellungen PrellungenVerstauchungenFrakturenSHT SchürfwundenPrellungen SchürfwundenPrellungenVerstauchungenÜberlastungsschäden
HäufigsteLokalisationen HandSchulterEllenbogenSprunggelenk KnieHandSchulter KopfWirbelsäuleThorax HandSchulterSprunggelenk HandgelenkEllenbogenSprunggelenk
Besonderheiten Stürze aus großer Höhe Wundinfektionen Überlastungsschäden des Handgelenks

Über den Autor:
Alexander Rabanus, Assistenzarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsklinik Bonn, Schwerpunkt Gelenkchirurgie. GOTS Mitglied seit 2009.

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