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Olympische Winterspiele in Peking – Anforderungen, Vorbereitungen, Regeln

 

Nach den um ein Jahr verschobenen Olympischen Sommerspielen im letzten Jahr in Tokio steht schon das nächste olympische Großereignis an – die Olympischen Winterspiele in Peking.

Die chinesische Hauptstadt wird damit die erste Stadt sein, die Sommer- und Winterspiele austrägt. Dies wird unter anderem in der teilweisen Weiternutzung von Sportstätten oder in der ähnlichen Gestaltung der Fackel sichtbar. Eröffnungsfeier ist für den 04. Februar und Abschlussfeier für den 20. Februar geplant – die offiziellen Wettkämpfe beginnen mit Qualifikationen und Vorläufen bereits 2 Tage zuvor.

Auch bei diesem sportlichen Großevent stehen die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gefühlt im Mittelpunkt der Vorbereitungen. Im sogenannten „Playbook“ sind die Regeln, Pflichten und Verantwortlichkeiten aller Teilnehmer niedergelegt.

Es wird das Konzept einer sehr strengen „Closed-Loop“ verfolgt – unter anderem müssen sich nicht vollständig geimpfte Teilnehmer 21 Tage in Quarantäne begeben. Eine zentrale Rolle fällt wieder den CLOs – den COVIS-19 Liaison Officers zu. Neben den aufwendigen Vorbereitungen müssen das tägliche Gesundheitsmonitoring vor und während der Spiele, die notwendigen Tests und entsprechende Konsequenzen bearbeitet und umgesetzt werden. Natürlich gelten auch wieder eine konsequente Pflicht zum Tragen eine hochwertigen Mund-Nase-Schutzes und die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln.

 

 

Die Smartphone Applikation „My 2022“ ist für alle Teilnehmer ein essentieller Begleiter. Die Gesundheitsdaten werden gespeichert, aber auch Aufenthaltsorte und Bewegungsprofile. Die Auslastung der Mensa, aktuelle Transportpläne, Wetterinformationen und vieles mehr kann dort abgerufen werden. Für alle Benutzer der App stehen zusätzlich viele Informationen zu den Sportarten, Zeitplänen und Ergebnislisten zur Verfügung – dies wird die zentrale News-Plattform des Veranstalters sein. Ausländische Zuschauer sind wieder nicht erlaubt, schon die strengen Einreiseformalitäten nach China machen dies nahezu unmöglich.

Das Sportprogramm wurde wieder gering erweitert: 109 Wettkämpfe in 7 Sportarten mit 15 Disziplinen. Neu aufgenommen wurde dabei der Monobob der Frauen, im Ski Freestyle ein Mixed Team Aerials sowie Damen/Herren Freeski Big Air, im Shorttrack eine Mixed Team Staffel, im Skispringen ein Mixed Team und eine Snowboardcross Mixed Team Staffel. Es werden von den ca. 3000 Athleten 45% Frauen dabei sein.

 

Das deutsche Team wird aus ca. 170 Athleten und der gleichen Anzahl an Betreuern bestehen. Das medizinische Betreuungsteam wird unter der erfahrenen Leitung von Prof. Bernd Wolfarth stehen und ca. 15 Ärzte, 22-28 Physiotherapeuten und 1-2 Psychologen umfassen. Eine besondere Herausforderung wird wieder die dezentrale Organisation der 3 olympischen Dörfer sein. Im städtischen Peking werden vor allem die Eissportarten sowie Eröffnungs- und Abschlussfeier stattfinden. Yanqing liegt 75km nordwestlich und soll in knapp 2 Stunden erreicht werden. Hier finden die alpinen Skiwettbewerbe und die Wettkämpfe im National Sliding Center statt. Zhangjiakou ist etwa 180km nordwestlich von Peking, Reisezeit geplant 160 Minuten und Austragungsort der meisten Ski- und Snowboardwettbewerbe. Eine Vorbereitungsveranstaltung für die medizinischen Teilnehmer konnte 3 Monate vor Beginn eine gemeinsame Wissensbasis vermitteln, viele Fragen direkt klären und Aufgaben verteilen.

 

Die medizinische Betreuung unserer Athleten beginnt natürlich nicht in Peking. Die sportmedizinischen Grunduntersuchungen haben stattgefunden und sind seit diesem Jahr auch Nominierungsvoraussetzung für alle Athleten. Die regelmäßige Betreuung in Rahmen der laufenden Wettkampf-Saison erlaubt den beteiligten Ärzten und Physiotherapeuten schon frühzeitig auf Verletzungen einzugehen und der Entwicklung von chronischen Beschwerden vorzubeugen. In den letzten Tagen vor der Abreise werden auffällige Befunde lieber noch einmal sorgfältig gecheckt, so dass keine „bösen Überraschungen“ nach der Einreise passieren.

Die lokale Infrastruktur in den 3 olympischen Dörfern beinhaltet eine gut ausgestattete Poliklinik und Fachärzte verschiedener Fachrichtungen. Auch Krankenhäuser zur weiteren Versorgung wurden ausgewiesen. Die Rettungsketten an den Sportstätten wurden von den Weltverbänden inspiziert und getestet. An den alpinen Skihängen sind zusätzlich internationale Rettungsärzte im Einsatz.

 

Unsere eigene Ausstattung umfasst die bekannte Olympia-Apotheke – die normalen Infekte werden auch in diesem Winter nicht völlig ausbleiben. Die konsequente Anwendung der Hygieneregeln hat ja in der letzten Saison sehr schön zeigen können, dass eine Vielzahl der sonst üblichen Infekte ausgeblieben ist – hoffen wir, dass es auch in diesem Winter so weiter geht. Zusätzlich sind einzelne diagnostische Geräte an Bord und eine Grundausstattung auch für die Physiotherapie inklusive Ultraschall, Elektrotherapie und Fango. Stabilisierende Verbände können selbst angelegt werden – eine kleine Auswahl an Fertigprodukten ist auch dabei.

 

 

 

 

 

 

 

 

In den letzten Tagen vor dem Abflug finden häufig gemeinsame Vorbereitungsmaßnahmen statt. Im letzten Team D-Call ist auch eine Ansprache des Bundespräsidenten geplant. Auch hier ist die aktuelle Corona-Lage das beherrschende Thema und zusätzliche Kontakte sind auf ein Minimum zu reduzieren. Die täglichen Schnell-Tests werden dann um 2 offizielle PCR-Tests ergänzt und die Einreise nach China sollte für das ganze Team D gelingen.

Die gleichen Anforderungen, Vorbereitungen und Regeln gelten analog natürlich auch für die nachfolgenden XIII. Winter-Paralympics vom  04.-13. März in Peking. Das medizinische Team ist für die kommenden Spiele bereit und wird nach dem Motto der Olympischen und Paralympischen Winterspiele „Zusammen für eine gemeinsame Zukunft“ arbeiten.

Fotos: ©Schneider


DER AUTOR

Dr. med. Christian Schneider (Vertreter Verbandsärzte in der GOTS) ist Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin im Orthopädiezentrum Theresie, München. Schwerpunkt: Wirbelsäulenbeschwerden. Seit 2000 ist er Mitglied der GOTS, seit 2012 Vorsitzender der Verbandsärzte Deutschland. 2018 wurde der Olympiaarzt GOTS-Sportarzt des Jahres. Er ist Mitglied der med. Kommission des DOSB, Leiter der med. Kommission des Internat. Bob- und Skeletonverbandes, leitender Verbandsarzt Bob- und Schlittenverband und hat viele weitere Ehrenämter im Sport.

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